Gedicht von Otto Ernst
1862-1925
(eigentlich: Otto Ernst Schmidt)
Geboren am 7.10.1862 in Ottensen/Holstein
als Sohn eines Zigarrenarbeiters.
Von
1877-1880 besuchte er die Präparandenanstalt, von 1880-1883 das
Lehrerseminar in Hamburg. Er arbeitete danach als Volksschullehrer bis
zum Jahr 1900 in Hamburg.
Ab 1901 war Ernst freier Schriftsteller und lebte in Eimsbüttel,
ab 1903 in Groß-Flottbek.
Ernst starb am 5.3.1926 in Groß-Flottbek bei Hamburg

Krachen und
Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd -
Ein Schrei durch die Brandung!
Und
brennt der Himmel, so sieht man's gut.
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich's der Abgrund.
Nis Randers lugt -
und ohne Hast
Spricht er: "Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen."
Da
fasst ihn die Mutter: "Du steigst mir nicht ein:
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich will's, deine Mutter!
Dein
Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
Mein Uwe, mein Uwe!"
Nis tritt auf die
Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
"Und seine Mutter?"
Nun
springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.
Boot
oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muss es zerschmettern ...! Nein, es blieb ganz ...!
Wie lange? Wie lange?
Mit
feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die Menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.
Wie
hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des andern springt
Mit stampfenden Hufen!
Drei
Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? - Ein Boot, das landwärts hält -
Sie sind es! Sie kommen! - -
Und
Auge und Ohr ins Dunkel gespannt...
Still - ruft da nicht einer? - Er schreits durch die Hand:
"Sagt Mutter, 's ist Uwe!"